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Wildlife in Marchegg

Wildlife in Marchegg

Wildlife in Österreich?? Ja, das geht! Eine Möglichkeit ist das WWF-Naturreservat Marchegg. Ausgangspunkt ist das Storchenhaus Marchegg. Das kleine Informationszentrum liegt am Eingang zum Schloss Marchegg, das Sie derzeit noch in “altem Glanz” anstrahlt. Das ursprünglich als Wasserburg gebaute Schloss ist Hauptaustragungsort der NÖ Landesausstellung 2022 und wird gerade sehr aufwändig renoviert. Der ursprüngliche Zustand soll soweit wie möglich wieder hergestellt werden.

In die Wildnis der March-Auen kommen Sie am Schloss Marchegg vorbei. Nach der Renovierung wird das Barockschloss nicht mehr in Schönbrunn-Gelb leuchten. Bei den Renovierungsarbeiten kam die ursprüngliche Farbe zum Vorschein. Deshalb wird das Pálffy-Schloss in Zukunft in zartem Grau erstrahlen.

Die Marchegger Störche

Eigentlich beginnt die Wildnis in Marchegg schon im Schloßpark. Hier können Sie von März / April bis 15. August richtig viele Störche beobachten und fotografieren. Ihre Nester haben sie nicht nur auf den Parkbäumen gebaut. Auch die Schornsteine des Schlosses sind bewohnt. Und sie kommen jedes Jahr wieder und dann können sie überall das Klappern von Meister Adebar und seiner Familie hören. 

Was der Storch hier wohl macht? An diesem Nest am Park-Eingang ist eine Videokamera montiert. Im Storchenhaus können Sie sehen, was gerade im Nest passiert und so direkt am Familienleben der Störche teilhaben. Die Nester sind übrigens teilweise bis zu 20 Jahre alt. Jedes Jahr werden sie weitergebaut bzw. restauriert. So ein Storchennest hat zwischen 600 und 1.000 kg.

Sehr empfehlenswert ist die Storchenführung. Marchegg gehört schon seit einigen Jahren zu einem meiner liebsten Ausflugsziele und ich habe gedacht, ich weiß schon viel über die Störche. Aber Anita vom Storchenhaus hat uns mit viel Freude und Leidenschaft viel Neues über die Störche, das Schloss und die March-Auen erzählt.

Nachdem Störche nicht singen können, verständigen sie sich mit Klappern. Wobei sich das Klappern je nach Inhalt unterscheidet. So klingt die Warnung vor einem Raubvogel anders als die Info über die besten Froschquellen in der Nähe. 

Die Jungstörche bleiben so lange im Nest, bis sie fliegen können. Bis dahin werden sie von Mama und Papa Storch abwechselnd mit Futter versorgt. Bei vier fast schon ausgewachsenen Jungen kann es da schon eng im Nest werden. 

Am Schloss vorbei führt der Weg über eine Brücke zur Storchenwiese. Von einem Hochstand können Sie hier die Störche auf Augenhöhe beobachten. Rund um den Hochstand sind zahlreiche Nester in den Bäumen. Auf der Storchenwiese fühlen sich die Störche so richtig wohl. Durch das Senken der Wiese haben sich hier zahlreiche Feuchtflächen – sogenannte Sutten – gebildet. Diese füllen sich je nach Wetterlage mit Wasser. Das gibt richtig viel Futter für die Marchegger Störche. Doch auch Reiher und Raubvögel können Sie hier beobachten.

Es macht richtig Spaß, die Störche zu beobachten, wenn sie mit Futter oder Nestmaterial herumfliegen, miteinander kommunizieren oder tolpatschig versuchen, im Nest zu landen. Die großen weißen Vögel sind auch ein wunderschönes und interessantes Fotomotiv für (Hobby-)FotografInnen.  

Die Führung “Zu Besuch bei Familie Adebar” hat ungefähr eine Stunde gedauert. Es ist nicht sehr weit zu gehen und ist auch für Kindern sehr spannend. Hunde dürfen mitkommen – aber im Nationalpark bitte immer an der Leine.

Und wenn Sie wegen der Störche kommen, dann sollten Sie das auf jeden Fall vor dem 15. August machen. Denn genau an diesem Tag fliegt Meister Adebar mit seiner Familie wieder zurück nach Afrika. Die Jungen fliegen schon eine Woche vorher – woher sie den Weg kennen, weiß niemand. Je nach Wetterlage kommen die beliebten Marchegger Störche im März / April wieder zurück und besiedeln ihre Nester.

Wildnis am Storchenweg

Der Storchenweg ist nur einer der Rundwege durch das Marchegger Naturreservat. Mit ca. 2 km ist er der kürzeste Rundweg. Theoretisch brauchen Sie dafür nicht länger als 1 Stunde. Theoretisch! Praktisch habe ich das noch nie geschafft. Das liegt allerdings nicht daran, dass der Weg mühsam ist, sondern daran, dass es so viel zu sehen gibt.

Konik-Pferde – das WWF-Beweidungsprojekt

Ein großer Teil dieses Rundweges führt durch eine Weide für Wildpferde. Im Frühjahr 2015 hat hier der WWF eine Herde Konik-Pferde zur Beweidung angesiedelt. Die Pferde leisten einen wesentlichen Beitrag zur Landschaftspflege und zum Erhalt der Vielfalt in der Au.

Im Gegensatz zu den Störchen können Sie die Konik-Pferde das ganze Jahr auf der Pferdeweide im Marchegger Naturreservat beobachten. Doch so wie es nun einmal bei Wildlife ist – es gibt keine Garantie, dass Sie die Pferde sehen. Die Weide ist ca. 70 Hektar groß und bietet den Tieren viel Platz sich zurückzuziehen.  

“Kleines Pferdchen” ist die Übersetzung für das polnische Wort Konik. Die Wildpferde sind auch nicht sehr groß. Aber sie sind Wildpferde! Das heißt, sie sind keine Streicheltiere und sie schützen ihre Jungen. Vor allem im Frühjahr, wenn die Hengste um ihre Stuten buhlen, kann man die Energie der Tiere spüren. 

Die Konik-Pferde sind nicht gefährlich. Doch Sie sollten ihnen mit Respekt begegnen. Bleiben Sie auf jeden Fall auf den Wegen und behalten Sie Ihren Hund im Auge – Leinenpflicht gilt sowieso im gesamten Auenreservat. 

Die Konik-Pferde sind nicht wirklich scheu. Und es kann Ihnen passieren, dass sie am Weg stehen oder auf einmal aus dem Wald Ihren Weg kreuzen. Das heißt, es ist gar nicht notwendig, den Weg zu verlassen. Die Wildpferde sind sehr neugierig und kommen schon mal zu Ihnen. Und wenn da gerade ein Fotorucksack liegt, dann wird der genau untersucht. 

Als Fotografin oder Fotograf können Sie einmal davon ausgehen, dass Sie immer das falsche Objektiv auf der Kamera haben. Mit meinem 80 – 400 mm klappt das meistens ganz gut. Doch wenn die Tiere plötzlich entscheiden, dass der Abstand zu groß wird, dann könnte das auch gut mit einem Makroobjektiv klappen. Alternativ funktioniert dann auch das Handy ganz gut. Wenn Sie etwas Geduld mitbringen, klappt es ganz bestimmt mit einem Wildlife-Foto. 

Natur erleben in den Marchauen

Ein Teil des Storchenweges führt Sie durch den Auwald. Erleben Sie die Vegetation, die Insekten, Vögel und die Amphibien der Au. Am Weg gibt es zwei Stationen des Auen-Lehrpfades Marchegg. Bei einer Station können Sie über das Au-Phon die Vögel der Au besser hören und sich über die Spechte in den Marchauen informieren. Eine zweite Infotafel informiert sie über die Amphibien, die hier leben. Wenn Sie im Frühjahr / Sommer kommen, hören Sie vielleicht das ungewöhnliche Konzert der Rotbauchunken. 

Ungefähr in der Mitte des Storchenrundweges gibt es ein größeres Gewässer, an dem eine Beobachtungshütte steht. Seien Sie leise, wenn Sie zur Hütte gehen und nehmen Sie sich etwas Zeit. Vielleicht sehen Sie einen Schwan, eine Schwanzmeise. Mit etwas Glück können Sie einen Eisvogel beim Fischen oder die Pferde beim Trinken beobachten. Nicht zu überhören ist in jedem Fall das fröhliche Vogelgezwitscher. 

Noch mehr Natur

Nicht nur das Wildlife in den Marchauen ist beeindruckend. Schauen Sie genauer hin. Je nach Jahreszeit lohnt sich der Blick auf die Details. Viele verschiedene Blümchen und so manche Wildorchidee wächst hier. Die vielfältige Fauna lockt auch zahlreiche Insekten an. Der Storchenweg führt am Damm zurück zum Schloss Marchegg. Im Sommer können Sie hier zahlreiche Schmetterlinge, Libellen und andere Insekten beobachten. 

Tipps für Ihren Ausflug in das Naturreservat Marchegg

  • Der Storchenrundweg wird zwar gepflegt und führt teilweise über den Damm. Bei Hochwasser können die Wege schon einmal überschwemmt werden – gutes Schuhwerk hilft. 
  • Bei Hochwasser kann es auch passieren, dass der Storchenweg oder die Storchenwiese geflutet werden. Wenn es vor Ihrem Ausflug in die Marchauen starke Regenfälle gegeben hat, erkundigen Sie sich daher vorab, ob Sie in die Au gehen können. 
  • Nach einem Hochwasser gibt es noch ganz viele andere wilde Tiere im Auenreservat – die sind allerdings auf der Jagd nach Ihnen und Ihrem Blut. Nach einer Überschwemmung fühlen sich die Gelsen so richtig wohl. Und sie vermehren sich explosiv. Da kann ein Spaziergang am Rundweg so richtig ungemütlich werden. Denn da sind dann nicht ein paar Gelsen, die auf Sie warten. Das sind dann Millionen – ohne entsprechenden Schutz werden Sie nicht weit kommen. 
  • Nachdem man für 2 km auch schon einmal 3 bis 4 Stunden brauchen kann, nehmen Sie auf jeden Fall etwas zu trinken mit. Und evtl. einen kleinen Snack. Beim Storchenhaus gibt es einen kleinen Imbiss. Dort können Sie sich bei Kaffee und Kuchen oder kleinen Snacks wie Würstel mit Gebäck stärken. 
  • Parkplätze sind rund um das Schloss genug vorhanden. Nur während einer Veranstaltung wie Oster- oder Weihnachtsmarkt kann es da einmal knapp werden. 
  • Tipp für FotografInnen: Mit einem Zoom-Objektiv sind Sie für das Wildlife im Naturreservat gut gerüstet. Wenn Sie gerne Makrofotos machen, bringen Sie Ihr Makro-Objektiv mit. Das ist ja nicht so schwer – und man weiß ja nie, wofür man es braucht.